Der Tag, an dem ich Ja zu meinem neuen Leben sagte
Es war entschieden.
Ich würde meine erste Liposuktion machen lassen.
Nach allem, was hinter mir lag, war dieser Satz plötzlich Realität. Ich hatte mich für die Liposuktion meines Lipödems entschieden und damit einen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gab.
Und weißt du was?
Obwohl natürlich Respekt und auch Angst vor der Operation da waren, fühlte ich mich gleichzeitig unglaublich frei.
Fast so, als hätte jemand in mir einen Schalter umgelegt.
Plötzlich war da diese enorme Stärke
Natürlich hatte ich Angst.
Eine Operation ist schließlich keine Kleinigkeit. Da kommen Fragen auf. Wie wird die OP? Wie werde ich mich danach fühlen? Wie stark werden die Schmerzen sein? Wie lange werde ich brauchen, bis ich wieder richtig auf den Beinen bin?
Und trotzdem war da etwas anderes.
Etwas, das viel stärker war als die Angst.
Ich fühlte mich plötzlich unglaublich entschlossen.
Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Für mich.
Und diese Entscheidung hat etwas in mir verändert.
Es war schwer zu erklären. Es fühlte sich an, als wäre da plötzlich eine enorme Stärke in mir entstanden.
Als hätte ich nach so langer Zeit endlich gesagt:
Jetzt reicht es.
Es ging nie nur um meine Beine
Vielleicht denkst du jetzt: Klar, sie wollte endlich schönere Beine haben.
Aber genau darum ging es für mich überhaupt nicht.
Natürlich wäre es schön gewesen, wenn meine Beine nach der Liposuktion schlanker aussehen würden. Aber das war nicht der Grund, warum ich mich für die Operation entschieden hatte.
Ich hatte keine Vision von perfekten Beinen.
Ich wollte mich nicht einem bestimmten Schönheitsideal annähern.
Ich wollte etwas viel Grundsätzlicheres:
Ich wollte mein Leben zurück.
Ich wollte nicht mehr akzeptieren, dass Schmerzen, Schweregefühl, Unwohlsein und körperliche Einschränkungen einfach zu meinem Leben dazugehören sollten.
Ich wollte nicht ständig darüber nachdenken müssen, was mein Körper gerade kann und was nicht.
Ich wollte mich wieder leichter bewegen.
Ich wollte mich wohler in meinem Körper fühlen.
Und vor allem wollte ich nicht irgendwann zurückblicken und denken:
Warum habe ich eigentlich so lange gewartet?
Ich sagte Nein zu einer Version meines Lebens
Rückblickend war genau das für mich der entscheidende Punkt.
Ich habe nicht einfach Ja zu einer Operation gesagt.
Ich habe gleichzeitig Nein gesagt.
Nein zu einem Leben, in dem ich meine Beschwerden einfach hinnehme.
Nein zu Schmerzen, die ich vielleicht irgendwann als „normal“ akzeptiert hätte.
Nein zu dem Gefühl, dass bestimmte Dinge für mich eben beschwerlicher sein müssen.
Nein zu dieser Version meines Lebens.
Und dieses Nein fühlte sich erstaunlich befreiend an.
Denn manchmal ist eine Entscheidung für etwas gleichzeitig eine Entscheidung gegen etwas.
Und meine Entscheidung war:
Ich möchte so nicht weitermachen.
Und dann habe ich Ja gesagt
Aber eigentlich war mein größtes Ja noch viel wichtiger.
Ich habe Ja gesagt zu einer neuen Energie.
Zu einer neuen Version von mir.

Zu der Vorstellung, dass ich mich gesund, beweglich, leicht und unbeschwert fühlen darf.
Nicht irgendwann.
Nicht erst, wenn alles perfekt ist.
Sondern dass ich überhaupt wieder darauf hoffen und hinarbeiten darf.
Ich wollte mich von dem befreien, was das Lipödem in meinem Leben an gesundheitlichen Problemen und Einschränkungen mit sich brachte.
Und tief in mir hatte ich schon länger die Ahnung, dass vielleicht mehr zusammenhing, als ich bisher überhaupt in Worte fassen konnte.
Beschwerden, die ich irgendwie hingenommen hatte.
Dinge, bei denen ich mich gefragt hatte, warum mein Körper sich eigentlich so anfühlt.
Und vielleicht kennst du dieses Gefühl auch:
Du merkst, dass etwas nicht stimmt.
Aber du kannst es nicht richtig erklären.
Ich wollte den Reset-Knopf drücken
Wenn ich meine Entscheidung heute beschreiben müsste, dann würde ich sagen:
Ich wollte einen Reset.
Nicht im Sinne von: Alles wird nach der OP plötzlich perfekt.
Das wäre unrealistisch.
Eine Liposuktion ist kein magischer Neustart und auch keine Garantie dafür, dass alle Beschwerden verschwinden.
Aber für mich war die Entscheidung ein persönlicher Wendepunkt.
Ich wollte meinem Körper eine Chance geben.
Ich wollte nicht mehr nur verwalten, was nicht funktioniert.
Ich wollte etwas verändern.
Und genau deshalb fühlte sich die Entscheidung für die Liposuktion für mich so viel größer an als eine medizinische Behandlung.
Es war eine Entscheidung für mich selbst.
Natürlich blieb die Angst
So stark dieses Gefühl der Befreiung auch war: Die Angst war nicht einfach verschwunden.
Ich glaube, beides darf gleichzeitig da sein.
Mut bedeutet für mich heute nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet, etwas zu tun, obwohl die Angst da ist.
Ich hatte Respekt vor der Operation.
Ich wusste nicht genau, was auf mich zukommen würde.
Aber ich wusste eines:
Ich wollte diesen Weg gehen.
Und plötzlich war da dieses Gefühl:
Ich mache das.
Nicht für andere.
Nicht, weil irgendjemand gesagt hatte, ich müsste etwas an meinem Körper verändern.
Sondern weil ich selbst entschieden hatte, dass ich etwas verändern möchte.
Der Tag der ersten Liposuktion kam
Und dann war er tatsächlich da:
Der Tag meiner ersten Liposuktion.
Ich war aufgeregt.
Ich hatte Respekt.
Und gleichzeitig war ich erstaunlich klar.
Denn die eigentliche Entscheidung war längst gefallen.
Ich hatte mich bereits von einem Teil meines bisherigen Lebens verabschiedet.
Und jetzt ging es darum, den nächsten Schritt zu machen.
Meine erste Operation betraf die Vorderseite meiner Beine.
Was an diesem Tag passiert ist, wie es mir direkt nach der Operation ging und wie die ersten Tage danach für mich waren, erzähle ich dir im nächsten Teil meiner Lipödem-Reise.
Denn eines kann ich schon vorwegnehmen:
Die Operation war nicht das Ende meiner Reise. Sie war der Anfang eines völlig neuen Kapitels.
Und vielleicht ist genau das auch das Wichtigste, was ich dir heute mitgeben möchte:
Du musst nicht aufhören, Angst zu haben, um eine Entscheidung für dich zu treffen.
Du darfst Angst haben.
Du darfst Zweifel haben.
Und du darfst trotzdem irgendwann sagen:
Jetzt bin ich dran.
Für mich war die Liposuktion deshalb nie einfach nur eine Operation.
Sie war mein persönlicher Reset-Knopf.
Ein Nein zu dem Leben, das ich nicht mehr wollte.
Und ein ganz klares:
Ja. Zu mir.




